des Magiers Träume

14. Februar 2015

Es war früher Abend, als Larya aufwachte.
Schlaftrunken rieb sie sich die Augen. Diesmal hatte sie zum Glück einen traumlosen Schlaf gehabt. Nur widerwillig setzte sie sich auf. Unter der Decke war es so schön warm und kuschelig, dass sie sich entschied, noch eine Weile sitzen zu bleiben.
Um nicht an ihren letzten Traum denken zu müssen, zählte sie die Fäden, die aus der Decke hingen. An manchen zog sie, sodass diese immer länger wurden.
Mit aller Kraft riss sie den Faden ab und band ihn sich um das Handgelenk.
So, jetzt habe ich endlich mal eine schöne Kette. Mein Lebenstraum ist in Erfüllung gegangen.
Nachdem einige Zeit verstrichen war, fragte sie sich, ob Darios schon wach war.
Es war an der Zeit gewesen, ihm von ihren Traum zu erzählen.
Schließlich betraf dieser Traum nur ihn.

Dann hörte sie etwas.
Es hörte sich an, wie…
Ein Brüllen?
Nein, es war…
Ein Horn!
Es kam aus der Richtung des Schattenpasses.
Oh nein, sie sind da!

Sofort kam Darios in das Zelt gestürmt, packte sie hart am Arm und zerrte sie hinaus.
Draußen kam es Larya so vor, als würden alle wild umher rennen. Doch bei genauerer Betrachtung versammelten sie sich in der Mitte des Lagers. Als Adoran die beiden Geschwister sah, winkte er sie hektisch zu sich heran.
„Sie kommen, wir müssen gehen.“
„Sehen wir jetzt die Falle?“ fragte Larya in der Hoffnung, die Stimmung ein wenig auflockern zu können und machte dabei ein aufgeregtes Gesicht.
„Ja, wir sehen jetzt die Falle.“ Entgegnete Adoran.
Und wieder war er von der Kleinen überrascht gewesen. Wenn sie Angst hatte, dann konnte sie sie sehr gut verstecken.
„Also los Männer. Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Auf geht’s!“
Nach diesem Befehl traten sie ihren kurzen Marsch nach Süden an. Immer noch Hand in Hand und immer noch schlaftrunken reihten sich Larya und Darios ganz hinten ein. Das schnelle Schritttempo der Soldaten gefiel Darios, der seine Schwester fast schon hinterherziehen musste.
Ich kann mitkämpfen, aber ich hoffe, dass Larya einen Platz bekommt, wo sie sicher ist, dachte sich Darios.

Nach einigen Minuten sahen sie endlich die Schneise.
Es sah so aus, als ob jemand mit einer reichlichen Portion Langeweile und einer Spitzhacke einen Weg durch die Berge hacken wollte, aber nach fünfzig Metern keine Lust mehr hatte.
Trichterförmig wurde sie nach und nach immer enger.
An den Seiten war mannshohes undurchsichtiges Gestrüpp.
„Hier“ sagte Adoran und zeigte auf das Gestrüpp „werden einige sich verstecken. Sie werden reinkommen, und wir greifen sie dann von hinten und von vorne an. Eine Flucht ist ausgeschlossen. Keiner wird euch mehr jagen. Ganz hinten gibt es eine kleine, kaum sichtbare Höhle. Da wirst du dich verstecken, bis alles vorüber ist.“ Larya war begeistert von der Idee.
Und doch fühlte sie sich irgendwie merkwürdig.
Also ob etwas nicht stimmte…
Als die Ersten hinten angekommen waren, hörte sie einen Aufschrei.
Sofort rannte Adoran hin.
„Was ist denn?“
Alle blickten sie auf den Boden.
Dort lag halb verbrannt ein zusammengekauerter Körper, der sich noch bewegte. Adoran erkannte das Gesicht trotz der schweren Verbrennungen.
„Hasaren? Hasaren, was ist mit dir passiert? Geht’s dir gut?“

„Er hat euch verraten…“ Ertönte eine Stimme hinter Ihnen.
Alle drehten sich um. Dort sahen sie einen einzelnen Mann mit schwarzer Lederrüstung.
Darios und Larya erkannten diesen Mann nur zu gut.
„Ich habe versprochen, ihn am Leben zu lassen, wenn er euch verrät. Er hat sein Leben das seiner Kameraden vorgezogen. Ich habe ihm jedoch nicht versprochen, in welchem Zustand er am Leben bleibt. Ich hasse Verräter. Von denen gibt es schon genügend.“
Anschließend sprangen die anderen Formosi aus den Gebüschen, allesamt mit gezückten Waffen. Dass es so viele waren, hatte Adoran nicht gedacht.

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1 Kommentar
Cassandra
15. Februar 2015 @ 6:22

Eine sehr tolle Geschichte.
Das Ende ist sehr spannend geschrieben und macht Lust auf mehr.

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