des Magiers Träume

14. Februar 2015

Larya merkte zu spät, dass ihr Fuß sichtbar war.
Ihr Herz raste schneller. Es war nur noch eine Frage von Sekunden, bis der Mann sie am Bein packte und herauszog. Hilflos sah sie zu Darios hinüber, der sie schweigend darum bat, sich nicht zu bewegen. Er bemerkte, dass ihr restliches Bein mit Laub überschüttet war, sodass man es nicht sehen konnte.
Der Mann beugte sich über den Stamm und war mit seiner Hand kurz davor, den Schuh zu berühren.
Geistesgegenwärtig hob Darios einen kleinen Stein auf und warf ihn in den Wald hinein. Der Mann schreckte auf und blickte in die Richtung des Geräusches. Dann gab er seiner Schwester zu verstehen, ihren Schuh auszuziehen. Unter dem Stamm eingequetscht versuchte Sie, ihren Schuh mit dem anderen Schuh auszuziehen, doch er wollte einfach nicht abrutschen. Der Plünderer würde sich jeden Augenblick wieder dem Schuh zuwenden. Nun versuchte sie es mit ihrer ganzen Kraft und schürfte damit ihr Bein auf. Das Adrenalin ließ alle Schmerzen vergessen.

Als der Plünderer das Geräusch nicht mehr weiter beachtete, wandte er sich wieder dem Schuh zu.
Er griff danach, nahm ihn an sich und rannte zu dem Magier.
„Ich hab hier etwas gefunden. Einen Schuh.“
Ohne ihn zu berühren, begutachtete der Magier den Schuh.
„Er ist noch warm. Sucht weiter! Sie sind ganz in der Nähe. Und Arush? belästige mich nicht wieder wegen einem Schuh.“
Daraufhin ging der Mann mit Namen Arush wieder in den Wald zurück.
Mit einem Sprung auf den Stamm, der den beiden Geschwistern fast die Knochen brach, hechtete er zum Glück auch gleich wieder herunter auf die andere Seite und ging weiter. Darios bemerkte, dass Larya Tränen in den Augen hatte und sich die Hand hielt.
„Halte durch.“ Flüsterte er ihr zu. „Wir kommen hier raus.“ Sie nickte schwach.
Während die anderen Männer sich langsam von den beiden entfernten, stand der Magier immer noch still am Waldrand und starrte über den Baumstamm in den Wald. Somit war eine Flucht ausgeschlossen, er würde die beiden bemerken und seine Männer auf Darios hetzen. Er war unbrauchbar. Sie hatten es auf Larya abgesehen.

Er dachte nach.
Irgendwie musste es doch einen Ausweg geben.
Wenn sie noch länger unter diesem Baumstamm blieben, würde man sie irgendwann entdecken. Da er keine bessere Idee hatte, entschied er sich für eine, die kaum Aussichten auf Erfolg hatte. Er tastete den Boden ab und fand fast auf Anhieb einen kleinen Ast.
Ich brauche aber noch einen dicken, schweren Ast.
In geringer Entfernung zum Baumstamm erblickte Darios das erwünschte Objekt.
Langsam und so leise, wie möglich robbte er in die Richtung des dicken Astes. Der schwere Baumstamm erschwerte die Bewegungen. Wenn nun jemand auf den Stamm springen würde… sein Rücken wäre dann hinüber. Nun war sein halber Körper außerhalb des noch sicheren Baumstammes. Das hohe Gras verdeckte zum Glück die Sicht des Magiers, der seinen Blick immer noch starr auf den Wald gerichtet hatte.
Als Darios den Arm ausstreckte, ergriff er den dicken Ast und nahm ihn zu sich.
Wieder raschelte das Laub.
Zum Glück schien es der Magier nicht gehört zu haben.
So leise wie möglich robbte er wieder zurück unter den Baumstamm. „Larya“ flüsterte Darios. „Ich werde gleich aufstehen. Mach dich schon mal bereit. Du musst in der Lage sein, sofort losrennen zu können.“
Ungläubig schaute Larya ihrem Bruder in die Augen. „Was hast du vor?“
„Vertrau mir. Wir müssen hier unbedingt weg. Die werden uns sonst finden. Vertrau mir einfach. Wenn etwas schief läuft, rennst du einfach. Versprich mir, dass du rennst, egal was mit mir passiert.“
„Wenn etwas schief läuft?“
Sie hatte nun noch mehr Angst, als vorher und zitterte am ganzen Leib. In Ihr stieg die Angst auf, dass der Magier ihre Zähne hören konnte, die unaufhörlich klapperten.
„Versprich es mir.“ entgegnete Darios nur.
Nach langem Zögern nickte sie. Er war ihr Bruder und vertraute ihm.
Ausserdem war er der einzige, der ihr noch blieb. Allein die Vorstellung, dass sie ganz alleine aus diesem Wald in die Dunkelheit rennen müsse, ließ ihren Puls bis aufs Unermessliche steigen.
Bei Darios war es nicht anders.

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1 Kommentar
Cassandra
15. Februar 2015 @ 6:22

Eine sehr tolle Geschichte.
Das Ende ist sehr spannend geschrieben und macht Lust auf mehr.

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