des Magiers Träume

14. Februar 2015

„Glaubst du,“ fing er an. „Dass Mutter dort wieder ein glückliches Leben mit Vater führt?“
„Ein glückliches Leben mit Vater? Wenn es dort keine Töpfe und Pfannen gibt, die sie ihm um die Ohren hauen kann, dann wäre das durchaus möglich.“
„Selbst in dieser besseren Welt gibts wohl keine Vergebung, was?“
„Du kanntest sie doch länger als ich. Ihr Temperament war… kaum zu übertreffen.“
„Jah, Vater bekam es meistens zu spüren.“ Darios grinste.
„In Form von Töpfen und Pfannen.“ ergänzte seine Schwester, die nun auch grinste. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Abtastens. wurde der Pass wieder breiter und der Himmel heller. Eine ganze Nacht lang waren sie nun durch den Schattenpass gelaufen.
Larya hatte stark mit ihrer Müdigkeit zu kämpfen.
Ihre Beine schmerzten von Zeit zu Zeit mehr und knickten immer öfter ein. Die Beinmuskeln fühlten sich an, als ob sie gar nicht mehr da wären. Würden ihre Hände die Wand nicht abstützen, wäre sie schon längst hingefallen. Sie war am Rande der Erschöpfung. Jeder Schritt schien immer schwerer zu werden.
Hinzu kam noch das Gefühl, überhaupt nicht vorwärts zu kommen.
Dann tasteten ihre Hände eine merkwürdige Felsformation.
Die Wand war nun zu eben und zu rund, um von der Natur geformt zu sein.
„Hier ist etwas.“ sagte sie.
„Wieder ein Käfer?“
„Nein. Eine Art Gebäude, glaube ich.“
Sie schaute hinauf und sah die Silhouette eines alten zerfallenen Turmes, der bis zur Bergspitze hinauf ragte.
„Ein Turm!“ Sagte sie aufgeregt.
Gelassen antwortete Darios „Ah, das ist gut. Das bedeutet, dass wir den Pass bald durchquert haben.“
„Was ist das für ein Turm?“
„Ein ehemaliger Wachturm der Drachen. Der einzige auf diesem Weg.“
„Der Drachen?“ Für diesen Moment war ihre Erschöpfung wieder wie weggeblasen.
„Ja. Wenn es jetzt hell wäre, würden wir erkennen, dass der Turm vollkommen schwarz ist. Von den Drachen hab ich dir ja erzählt. Sie waren überall verhasst. Und da es größtenteils Kampfmagier waren, die Feuer formen konnten, hatte man sie eines Nachts mit ihren eigenen Waffen geschlagen und den Turm ausgeräuchert.“
„Hat denn keiner Wache gehalten?“
„Nein. Sie bekamen ihren Wein immer aus Meynebruck. Dieser wurde für die Drachen so stark mit Schlafmittel angereichert, dass ein Schluck ausreichte, um sie schlafen zu legen. Zu der Zeit hätte ich lieber nicht in dieser Stadt leben wollen. Die Drachen haben Meynebruck daraufhin in Schutt und Asche gelegt. Hat Jahrzehnte gedauert, die Stadt wieder aufzubauen. Seitdem hat niemand mehr solch eine Tat begangen.“
„Woher weißt du das denn alles? Egal, was ich dich frage, du weißt auf alles eine Antwort.“
„Diese Geschichte hab ich in der Taverne aufgeschnappt. Hier können wir eine Weile rasten. Aber nicht hineingehen. Ich will nicht neben den Knochen toter Drachen sitzen.“

Sie setzten sich auf die Treppe, die zum Eingang führte.
Fast gleichzeitig stöhnten beide erleichtert auf.
Welch eine Erlösung.
Anstatt sitzen zu bleiben, legte sich Larya gleich mit ihrem ganzen Körper auf die Treppe und begutachtete ihre Füße. Sie band das Stück Leder von ihrem Fuß und sah, dass fast alles mit Blasen bedeckt war.
Als Darios das sah, sagte er „Ist es sehr schlimm?“
„Ach nein. Die meisten Blasen sind ja sowieso schon geplatzt.“
„Dir kann wohl nichts die Laune verderben, oder?“
Mit einem Blick nach Süden antwortete Larya. „Noch nicht. Aber wer weiß, was uns noch alles erwartet. Wo wir schon mal bei der Zukunft sind… darf ich eine Weile schlafen? Zumindest bis zum Sonnenaufgang?“
„Ja. Ich werde Wache halten.“

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1 Kommentar
Cassandra
15. Februar 2015 @ 6:22

Eine sehr tolle Geschichte.
Das Ende ist sehr spannend geschrieben und macht Lust auf mehr.

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