des Magiers Träume

14. Februar 2015

Die beiden Geschwister waren nun wieder unterwegs.
Larya hatte ihren Schlaf sichtlich genossen, obwohl es ihrer Meinung nach zu wenig war.
Ihre Beine hatten sich kaum erholt und die Blasen an ihren Füßen schmerzten mit jedem Schritt noch mehr.
Aber sie wollte vor ihrem Bruder nicht meckern.
Immerhin hatte er die ganze Nacht kein Auge zugetan und das merkte man ihm auch an. Augenringe, so groß wie Pfirsiche, zierten sein Gesicht. Wenn er kurz die Augen schloss, fiel er immer wieder in einen kurzen Sekundenschlaf und wäre des öfteren beinahe gestolpert.
Mit seinen Beinen hatte er weniger Probleme. Als sein Vater noch lebte, hatten sie oft Wanderungen gemacht, die sich manchmal über Tage erstreckten.
Aber diese verdammte Müdigkeit.
Selbst wenn Darios die Augen offen hatte, fühlte er sich wie in einem Traum. Alles war verschwommen und wirkte unecht.
„Was…“, Das Reden fiel ihm ebenfalls schwer. Seine Stimme klang rau und tiefer als gewöhnlich „Was…äh, hast du heut wieder was geträumt?“ fragte er.
Bei dieser Frage bekam Larya Gänsehaut.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich nicht an ihren Traum erinnern können, doch nun kam ihr alles wieder in den Sinn. Sie hatte viel geträumt.

Zu viel.

„Nein, nichts.“ Antwortete Sie und war sich ihrer Lüge bewusst.
Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Er ist müde. Ich muss auf den richtigen Zeitpunkt warten.
Da Darios zu sehr mit seiner Müdigkeit beschäftigt war, bemerkte er ihre Lüge nicht.
Eine Seltenheit.
Endlich lichtete sich der Schattenpass.
Beide staunten nicht schlecht, als sie die weite und steinige Ebene vor ihnen sahen. Kein einziger Baum war weit und breit zu sehen. Nur große Felsbrocken und Steine. Ganz im Süden in weiter Entfernung waren die nächsten Berge zu sehen.
„Da hinten“, sagte Darios und zeigte mit seiner Hand auf das weit entfernte Gebirge. „Da hinten ist die Magierfeste.“
„Also ich seh da nur Berge.“ Entgegnete sie.
„In den Bergen versteckt gibt es ein Tal und am Ende dieses Tales ist sie.“
„Und du willst ohne Rast dorthin marschieren?“
„Nein…“, sagte Darios. Seine Stimme war nur noch ein rauchiges Flüstern. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und hatte die Augen fast geschlossen. „Nein, ich kann nicht mehr. Wir müssen ein Versteck abseits des Weges suchen.“ Sie schafften es nur ein paar Meter weit, denn ganz plötzlich sprangen mindestens ein Dutzend Menschen hinter den vielen Felsen hervor, die überall verstreut waren.
Allesamt mit Bogen bewaffnet hatten sie diesen bis zum Anschlag angezogen und zielten direkt auf die beiden Geschwister.
Darios und Larya konnten nichts anderes tun, als ihre Hände zu heben und still stehen zu bleiben. Ihm fiel auf dass die hellbraune Lederrüstung der Bogenschützen allesamt mit einem Wappen versehen waren, doch sie waren zu weit entfernt, um es richtig sehen zu können.
Alle standen eine gefühlte Ewigkeit still da. Die Bogenschützen hatten keine Mühe und hielten ihre Bögen angespannt.
Darios entschied sich mangels Kraft, die Hände runter zu nehmen, nichts geschah.
Dann endlich regte sich etwas. Hinter ihnen ertönte eine männliche Stimme.

„Wer seid ihr?“ Sagte ein kräftig gebauter Mann, dessen braunes Haar fast bis zur Hüfte reichte. Sein Blick verriet Sanftheit. Als einziger hatte er seine Waffe nicht gezogen.
Die beiden Geschwister drehten sich um.
Darios ergriff die Initiative „Wir sind Flüchtlinge. Dalynos wurde überfallen. Wir konnten nur knapp entkommen und sind nun auf der Flucht.“
Der Mann zog eine Augenbraue hoch. „Dalynos wurde überfallen? Diese Nachricht hat uns noch nicht erreicht. Von den Formosi?“
„Ich glaube schon. Sie trugen Pelzrüstungen.“
„Ja, das sind Formosi. Diese Gegend hier ist zu kalt für sie, deswegen der Pelz. Ihr sagtet, ihr seid auf der Flucht? Vor wem?“
Die nächsten Worte musste Darios mit Bedacht wählen. Er durfte nicht zu viel verraten.
Besonders nicht, wieso sie verfolgt wurden.
„Eine Gruppe Formosi ist hinter uns her, angeführt von einem schwarzen Magier.“
Nun zog der Mann auch die andere Augenbraue hoch.
„Ein schwarzer Magier? Ihr müsst ihn wohl ziemlich wütend gemacht haben, dass er euch bis hierher verfolgt.“
„Wir sind entkommen. Das dürfte ihn schon genug verärgert haben.“
Darios hoffte, dass dem Soldaten die Aussage reichen würde. Wenn er erfuhr, dass Larya eine Magierin ist, würde das die ganze Sache noch verschlimmern.
„Magier und ihre Hartnäckigkeit… Wie ich sie hasse.“ sagte der Soldat und befahl den Bogenschützen, die Waffen zu senken, was sie auch taten. Dann kam er auf die Geschwister zu und blieb einige Meter vor ihnen stehen.
„Mein Name ist Adoran, Hauptmann Adoran. Was ihr hier seht, sind die Soldaten von Schattenfall. Die Bewohner außerhalb Schattenfalls nennen uns…“
„Schatten.“ Beendete Darios seinen Satz.
Nun konnte er das Wappen auf der Brust des Hauptmannes erkennen.
Eine zackenschildförmige Form. In dieser war ein Berg zu sehen, über dem eine große rote Sonne schien und ihre Strahlen über das Wappen hinaus verteilte.
Darios kannte diesen Berg.

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1 Kommentar
Cassandra
15. Februar 2015 @ 6:22

Eine sehr tolle Geschichte.
Das Ende ist sehr spannend geschrieben und macht Lust auf mehr.

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