des Magiers Träume

14. Februar 2015

„Los, wach endlich auf! Sie kommen!“
Es war tiefste Nacht. Nur der Vollmond erhellte den Waldrand. Die Größe des Waldes war kaum der Rede wert. Er war so klein, dass er in den meisten Landkarten nicht berücksichtigt wurde. Während Darios versuchte, seine Schwester Larya aufzuwecken, sah er ängstlich den Weg herunter. Das schummrige Licht einiger Fackeln, gefolgt von den Stimmen lachender Männer kam langsam auf die beiden zu.
Endlich öffnete sie Ihre Augen.
Verschlafen sagte sie „Was ist denn los? gibts Frühstück?“
„Wir müssen uns verstecken. Pack deine Sachen ein.“
Zuerst wusste Larya gar nicht, was Sache war. Als sie aber das laute Gelächter hörte, dass den Weg herauf schallte, kam ihr wieder alles in den Sinn: Plünderer. Schnell packten sie ihre Sachen in die Rucksäcke und rannten in Richtung Wald. Hinter einem umgestürzten Baumstamm fanden sie rechtzeitig Schutz.
Das Mädchen zitterte am ganzen Körper. Nicht noch einmal wollte Larya einen dieser Menschen zu Gesicht bekommen. Das eine Mal hatte ihr genügt. Als die Gruppe nun kaum sechs Meter von ihnen entfernt war, bemerkte sie, dass einer von Ihnen keine Fackel hatte, aber trotzdem am hellsten leuchtete.
Das muss ein Magier sein.
Kleiner als alle anderen und in einer edlen schwarzen Lederrüstung führte er die Truppe an. Seine grimmigen Gesichtszüge verrieten, dass mit ihm keinesfalls zu spaßen war. Mit dem Magier waren es insgesamt einundzwanzig. Ihre Fellrüstungen verrieten, dass sie dieselben waren, die auch Dalynos, das Dorf der beiden Geschwister überfallen hatten. Aber die Rüstung des Magiers hatten sie dort nicht gesehen.

Plötzlich hob er die Hand und befahl den Anderen, stehen zu bleiben.
„Wartet.“ flüsterte er.
Seine tiefe Stimme ließ Laryas Herz noch lauter pochen. Sie hatte die Befürchtung, der Magier könne es auch pochen hören.
„Sie sind in der Nähe.“
Nun fing auch Darios an, schwerer zu atmen. Er hatte keine Ahnung, was er tun würde, wenn sie hinter dem Baumstamm nachschauen würden. Für eine Flucht weiter in den Wald hinein war es zu spät. die knackenden Äste würden nur noch mehr Aufmerksamkeit auf die beiden lenken.
„Also ich seh niemanden.“ sagte einer der Männer.
Genervt entgegnete der Magier „Überlass mir die Sache. Ich kann ihre Magie spüren. Aber weit können Sie nicht sein. Das kleine Mädchen ist langsam.“
„Sollen wir den Wald absuchen?“
„Ich bitte darum. Stellt euch in einer Reihe auf und lauft hinein. Der Wald ist klein, sie können sich nicht verstecken.“

Larya verkrampfte sich.
Es war nur noch eine Frage kürzester Zeit, bis sie entdeckt wurden. Darios sah sich verzweifelt nach einem besseren Versteck um, während die Männer sich in eine Reihe gliederten. Als er nichts fand, befahl er seiner Schwester leise, sich unter dem Baumstamm zu verstecken. Die Männer hatten sich zum Glück für kurze Zeit in den Haaren. Einige stritten sich darum, wer an welcher Stelle der Reihe stehen soll.
Im Schutze dieses Lärms rutschte Larya langsam unter den Baumstamm. Die Blätter raschelten kurz, aber niemand bemerkte es. Als der Dreck des Baumstammes auf ihr Gesicht rieselte, hatte sie sich gerade noch so ein Husten verkneifen können.
„Worauf wartet ihr noch?“ Fragte der Magier die anderen. „Wir haben nicht ewig Zeit.“
Auf seinen Befehl hin legte sich der Streit. Bewaffnet mit Fackel und Schwert zogen die Männer in den Wald. Gerade noch rechtzeitig schaffte es auch Darios unter den Baumstamm, ließ dabei aber auch die Blätter rascheln. Dieses Mal wurde das Geräusch nicht überhört. Einer der Männer kletterte auf den Baumstamm, der die beiden Geschwister noch mehr herunter drückte. Larya konnte kaum noch atmen. Als Darios sie schwer atmen sah, versuchte er händeringend, den Baumstamm etwas anzuheben, was ihm aber nicht gelang. Der Plünderer leuchtete mit seiner Fackel auf den Boden. Und bemerkte einen kleinen Schuh, der aus dem Laub heraus ragte.

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1 Kommentar
Cassandra
15. Februar 2015 @ 6:22

Eine sehr tolle Geschichte.
Das Ende ist sehr spannend geschrieben und macht Lust auf mehr.

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