des Magiers Träume

14. Februar 2015

Er brach ein kleines Stück ab und überreichte es seiner Schwester.
Die beäugte es kritisch und grinste Darios an, der wiederum mühe hatte, ernst zu bleiben.
„Das reicht für dich. Du bist schon dick genug. Ich will nicht deinetwegen geschnappt werden.“
Larya plusterte sich auf und versuchte, ein eingeschnapptes Gesicht aufzusetzen.
„Wenn du mir jetzt nicht auf der Stelle mehr gibst, muss ich dich leider in einen Wurm verwandeln.“ Entgegnete Sie.
„In einen Wurm? Wäre mir neu, dass eine Hellseherin jemanden in Würmer verwandeln könnte.“
„Ich geh doch nicht zur Magierfeste, weil ich noch mehr Zukunft sehen will. Ich mache das alles nur, um dich in ein liebes und nettes Tierchen verwandeln zu können.“
Schliesslich gab er nach und reichte ihr ein größeres Stück Brot.
Als sie es nehmen wollte, schmerzte ihre Hand wieder.
Darios handelte schnell und riss sich ein ein Fetzen Stoff aus seiner Tunika.
Damit verband er zärtlich ihren Arm.
„Danke“. sagte sie. Es half nur bedingt. Unbeholfen nahm sie das Brot in die andere Hand. Während sie aßen, bemerkte Larya erst jetzt die riesigen Berge im Süden.
Mit vollem Mund fragte sie „Die Berge da. Wie heißen die nochmal?“
Ebenfalls mit vollem Mund antwortete Darios. „Also die Rechten, das sind die Drachenberge. Und die Linken nennen sich Sturmberge. Und zwischendrin führt ein schmaler Weg hindurch. diesen nennt man Schattenpass. Das ist erst einmal unser Ziel.“
„Und warum heißen die Drachenberge? Da gibts doch keine Drachen, oder?“
„Dort stand damals eine Festung der Drachen.“
Ungläubig starrte Larya ihren Bruder an.
„Es gibt Drachen? Und die wohnen in Festungen?“
Darios musste lachen.
„Schwester, du musst noch viel über die Geschichte dieser Welt lernen. Die Magier werden dir das schon noch beibringen. Die Drachen waren eine Gruppe von Magiern, die sich damals dem Magierkönig angeschlossen hatten, sozusagen die Generäle des Magierkönigs.“
„Und ich schätze, die Drachen waren böse?“
„Du weißt doch, dass die Magier heutzutage einen sehr schlechten Ruf haben, oder?“
„Hab davon gehört.“
„Das hatte man zum Teil den Drachen und dem Magierkönig zu verdanken.“
„Und der Magierkönig….“
„War der Letzte der Tae-Dynastie. Taegyr, der Magierkönig. Seine Mutter hatte ihn als Baby unter anderem Namen zur Magierfeste geschickt, da er magiebegabt war. Als er den Thron bestieg, musste man schnell feststellen, dass er als König ziemlich ungeeignet war. Zuerst ließ er nur die Insassen einiger Gefängnisse nach gefährlichen Eldra-Ruinen suchen. Ein sehr gefährliches Unterfangen, wenn man bedenkt, dass viele Ruinen regelrecht übersäht mit tödlichen Fallen sind. Nach einiger Zeit wurden auch die übrigen Menschen dazu gezwungen, sich dieser Gefahr zu stellen.“
„Und wie ging es mit dem Magierkönig zu Ende? So ein böser Mensch hat sein Leben bestimmt nicht ausleben können, oder?“
„Auf dem Höhepunkt seiner Grausamkeit war es ausgerechnet sein eigen Fleisch und Blut. Sein Sohn Taelas ermordete Ihn und erntete unendlichen Dank vom Volk. Doch dieser währte nicht ewig. Aus Angst vor weiteren magiebegabten Königen entschied man sich, Taelas ebenfalls hinzurichten. Somit endete die ehemals ruhmreiche Tae-Dynastie.“
Nach einem kurzen Blick in den Himmel sagte Darios abschließend „Wir müssen weiter“. Sie packten das übriggebliebene Brot wieder in den Rucksack liefen weiter Richtung Süden. Larya wäre am liebsten im Gras liegen geblieben. Die kurze Pause hatte ihre Erschöpfung kaum gelindert.
„Ich hab nur noch einen Schuh.“ Sagte sie.
„Hier.“ Sagte Darios, während er ein Stück Leder aus seiner Weste riss und es an ihren Fuß band. „Das müsste fürs erste reichen. Ich würde dir ja gerne einen meiner Schuhe geben, aber die dürften wohl zu groß sein. Wegen dir seh ich nun aus, wie ein Streuner.“
„Wir SIND Streuner.“
„Ja, aber ich will nicht, wie einer aussehen.“

Daraufhin plagte Larya noch etwas.
„darf ich dir noch eine Frage stellen?“
„Wenn die Antwort darauf eine kurze ist, gerne.“
„Dieser Magier, der uns verfolgt… der kam nicht aus der Magierfeste, oder?“
Bei der Frage hielt Darios inne und drehte sich zu ihr um.
Er sah ihr direkt in die Augen und legte eine ernste Miene auf.
„Ich glaube nicht. Ich glaube, das war ein schwarzer Magier…“

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1 Kommentar
Cassandra
15. Februar 2015 @ 6:22

Eine sehr tolle Geschichte.
Das Ende ist sehr spannend geschrieben und macht Lust auf mehr.

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